Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern, die Zukunft schon.

Nachfahren der NS-Zeitzeugin Ruth Herskovits-Gutman zu Gast an der BBS 11
Zeitzeugen, die von den Gräueltaten des NS-Regimes berichten und somit wertvolle Informations- und Versöhnungsarbeit leisten, gibt es nur noch wenige. Umso wichtiger ist es, sich jede bietende Chance zu nutzen, um jene Menschen zu befragen.
Die Klasse BG 12192 ergriff am 04. September 2019 eine dieser seltenen Gelegenheiten und sprach mit Nachfahren der jüdischen NS-Zeitzeugin Ruth Herskovits-Gutman.
Ihre Tochter Hannah und deren Söhne Ben und Sam Raffi besuchten die BBS 11 und berichteten den Schülerinnen und Schülern über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und insbesondere ihren Erfahrungen in Hannover.
Die inzwischen verstorbene Ruth Herskovits-Gutman wanderte 1945 zunächst nach Schweden, dann nach England aus, und fand schließlich 1949 in den USA eine neue Heimat.
Ihre Familie lebt bis heute dort. Da keines der Familienmitglieder Deutsch spricht, fand das Gespräch auf Englisch statt, was die Klasse überzeugend meisterte. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von Frau Dr. Wussow-Klingebiel und Herrn Petrik. Von der Gedenkstätte Ahlem war Shaun Hermel dabei.
Die drei Gäste erzählten sehr bewegend und anschaulich von den Erlebnissen ihrer Mutter bzw. Großmutter und davon, wie sie in ihrem Erziehungsstil von ihrer Vergangenheit beeinflusst wurde.
So erzählte Hannah von einer die Familie ständig begleitenden Verlustangst, die sich bis in die Enkel-Generation weitervererbte. Das Bedürfnis, alle Familienmitglieder um sich zu haben und nicht noch einmal voneinander getrennt zu werden, sei sehr stark.
Während der Erzählungen war die enge Verbindung unserer Gäste zu ihrer Mutter bzw. Großmutter deutlich spürbar.
Besonders interessant stellte Hannah ihre gespaltenen Gefühle gegenüber Deutschland dar und verdeutlichte, dass sie trotz der Ereignisse der NS-Zeit eine Vaterlandsliebe für unser Land empfinde. Und das, obwohl viele Familienmitglieder in verschiedenen Konzentrationslagern umgebracht wurden.
Als Tochter einer Zeitzeugin sehe Hannah eine besondere Verantwortung, sich gegen politische Ungerechtigkeit einzusetzen.
Die drei zeigten sich sehr offen gegenüber sämtlichen Fragen der Schülerinnen und Schüler, hatten großes Interesse an ihren Kenntnissen über den Nationalsozialismus und an deren Einschätzung der heutigen politischen Situation in Deutschland. So entstand ein reger Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern und unseren amerikanischen Gästen. Wir freuen uns darauf, die Familie in Zukunft noch öfter an unserer Schule begrüßen zu dürfen.