Ein Abend der Hoffnung mit Eshkol Nevo

„Das Schlimmste, was Menschen geschehen kann, ist, die Hoffnung zu verlieren“, sagt Eshkol Nevo. Was aber hier, am 17. Juli 2014 im Foyer der BBS 11 geschehe, mache ihm wieder Mut: „Mein Buch, verfasst in hebräischer Sprache, aufgeführt in Deutschland, von so sehr talentierten jungen Schauspielern, vor einem so vielfältigen heterogenen Publikum, das gibt mir Hoffnung, das inspiriert mich.“


Der Hintergrund dieses besonderen Abends: Die Theater-AG unserer Schule hatte im vergangenen Jahr nach dem Roman „Vier Häuser und eine Sehnsucht“ das Stück „Der Schlüssel“ entwickelt. Als der israelische Schriftsteller davon erfuhr, versprach er spontan: „Wenn ihr das noch einmal auf die Bühne bringt, komme ich von Tel Aviv nach Hannover.“ An diesem Abend nun war es soweit: Die Theater-AG führte noch einmal das Stück „Der Schlüssel“ auf. Die Darstellungen der Schülerinnen und Schüler waren so bewegend, dass es Standing Ovations gab, zum ersten Mal in der kleinen Theatergeschichte der BBS 11.

Ermöglicht wurde die Reise Nevos nach Hannover durch die jüdische und die palästinensische Gemeinde, die sich die Flugkosten teilten, und die Unterstützung des Kulturamts der Stadt Hannover. So wurde der Abend auch durch ein Grußwort des Oberbürgermeisters Stefan Schostok eingeleitet.
Beeindruckend, wie Eshkol Nevo den Entstehungsprozess des Romans erzählt, nach der das Stück der Theater-AG entwickelt wurde: Eigentlich auf der Spur einer eigenen biografischen Geschichte stößt Eshkol Nevo auf ein Viertel mit arabischen Häusern und beginnt sich zu fragen: Was geschah mit den Eigentümern? Und so recherchiert er die Geschichten von Palästinensern, die 1948 ihre Heimat verlassen mussten und in deren Häusern nun jüdische Familien wohnen. Er versucht, die Erlebnisse der Familien zu rekonstruieren, sich in die Gefühle der ehemaligen Bewohner hineinzuversetzen. Hier wird die zutiefst humane Essenz von Eshkol Nevos Denken und Schreiben deutlich: Es geht darum, die Sehnsüchte der anderen Seite fühlen und verstehen zu können. Beeindruckend ist auch die geschickte Art, wie die Journalistin und Moderatorin Margarete von Schwarzkopf Nevos Beiträge aus dem Englischen übersetzt und für das deutschsprachige Publikum klug zusammenfasst.
Nach der Aufführung folgt die Gesprächsrunde, die von Frau von Schwarzkopf moderiert wird. Gemeinsam auf dem Podium sitzen Herr Fürst von der jüdischen Gemeinde und Herr Dr. Shammout von der palästinensischen Gemeinde, um mit Eshkol Nevo über das Stück zu diskutieren – ein eindrucksvolles Erlebnis angesichts der gleichzeitig eskalierenden Situation in Gaza. „Mut und Tapferkeit werden gewöhnlich mit Soldaten verbunden. Der wirkliche Mut aber ist es, die andere Seite zu verstehen und einen Dialog zu führen.“ (Eshkol Nevo)
Wir hier in Deutschland, in der BBS 11, wünschen ihm so sehr, dass dieses Denken auch in seiner Heimat um sich greift und zu einem Ende der Gewalt führt!